16. Jahrhundert – Die Blütezeit

Bergbaugebiete waren im Mittelalter sehr begehrte Besitztümer und Lehen. So kam es auch um das Pfunderer Bergwerk (vorher Bergwerk Garnstein) regelmäßig zu Streitigkeiten. Besonders heiß umkämpft waren die Gruben am Pfunderer Berg während der Regierungszeit des bekannten und streitbaren Kardinals Nikolaus Cusanus(1450-1464).

Cusanus stand immer im Gegensatz zum damaligen Tiroler Landesfürsten Herzog Sigismund dem Münzreichen. So auch in der Bergwerksfrage. Es kam sogar zu gewaltsamen Übernahmen der Gruben, weil beide auf ihre Rechte aus alten Abmachungen pochten.

Erst mit dem Tod von Nikolaus Cusanus (1464) kehrte Ruhe ein. Seine Nachfolger fügten sich den Vorstellungen des Landesfürsten, was bedeutete, dass das Bergwerk an Bergwerksunternehmer (Gewerken) verliehen wird und die Einnahmen je zur Hälfte geteilt würden.

Diese vermögenden Gewerken hatten die finanziellen Mittel um Bergbau zu betreiben, ganz zum Unterschied zu den Landesfürsten, die stets unter chronischer Geldnot litten. Die Abgaben an den Landesfürsten von seiten der Bergwerksunternehmer waren zweierlei: Fron und Wechsel. Die Fron bestand in der Einbehaltung eines jeden zehnten Kübels vom abgebauten Erz, das heißt, jede zehnte Füllung gehörte dem Landesfürsten. Der Wechsel hingegen war eine Abgabe vom geschmolzenen Silber. Diese Einnahmen waren für den Landesfürsten lebenswichtig.

Mit dem Ende der Streitereien und der vertraglichen Verankerung konnte der Bergwerksbetrieb bei Klausen voll anlaufen. Es begann die Blütezeit des Pfunderer Bergwerkes. Die zwei aus Schwaz bekannten Gewerken Hans und Georg Stöckl, die bei Klausen ein Hüttenwerk mit zwei Öfen besaßen, und Hans Paumgartner aus Augsburg betrieben damals den Erzabbau.

Aus dem Jahre 1513 hören wir, dass Hans Stöckl und Hans Paumgartner den Landesfürsten daran erinnerten, dass sie das „kleine und unordentliche Bergwerk“ am Pfunderer Berg in die Höhe zu bringen suchten, so dass jetzt „etlich hundert Mann“ beschäftigt seien. Neben den Paumgartner und den Stöckl waren auch die Fugger aus Augsburg am Pfunderer Bergbau beteiligt. Der Schwerpunkt desFuggerschen Bergbaus lag allerdings bei Schwaz, die Beteiligung der großen Handelsfirma in Klausen war dagegen weniger bedeutend und nur zweitrangig.

Die Stadt Klausen profitierte natürlich Stark vom Aufschwung des Bergwerks. Man bekam ein eigenes Berggericht und der Bergbau bot Arbeit genug. Hunderte Bergknappen, aber auch andere Berufe erlebten eine Blütezeit.

Wie sah der Abbau damals aus? Sprengungen mit Hilfe von Schwarzpulver (und die Technik des sog. “Schlenkerbohrens”) wurden erst sehr spät eingeführt. Bis dahin wurde praktisch jeder Stollen mit Hammer und Meißel geschlagen. Eine sehr mühsame Angelegenheit, ein Bergknappe schaffte pro Tag ungefähr 4cm. Die natürlichen Gegner der Bergknappen waren damals das Wasser, die Belüftung und die Dunkelheit. Da so etwas wie “Fachliteratur” praktisch nicht vorhanden war musste man sich die Techniken selbst aneignen, es entstanden ausgetüftelte Abwasser- und Belüftungssysteme.

Die Erze wurden dann zu Tage befördert, wo fast vor jedem Stollen ein Schwefelofen errichtet war, dort wurden die Erze vorgeschmolzen. Das geschmolzene Erz nannte man Röster. Ein solcher Schwefelofen fasste an die 2000 Kübel Roherz und der Ofen brannte ungefähr 17 – 18 Wochen je nach Wetterlage.

 

Später wurden die Erzröster auf dem Erzweg nach Klausen gebracht, dort stand auf der Frag ein großer Erzkasten, wo die Erze verhüttet wurden. Von dort wurden die Erze in Säcken auf Karren (Grateln) zur Schmelzhütte nach Sulferbruck (Eingang ins Villnössertal) gebracht. Dort waren 6 Stichöfen (ein Hochofen, ein Krummofen, ein Probierofen, ein Zinkofen, ein Rostflammofen und ein Kalkofen) für die Rohschmelzung.

Jährlich wurden ungefähr ca. 16 Tonnen Kupfererze, und 100 kg Silber aufgebracht.

Im ausgehenden 16. Jahrhundert geriet der Silberbergbau in ganz Tirol in eine Krise, die auch Klausen schwer traf. Die Bedeutung des Pfunderer Bergwerkes schwand rapide.

Schon vorher kam es zu Streitereien zwischen den Gewerken der Paumgartner, Stöckl und Fugger.

Zudem erließ in dieser Zeit der Kaiser eine Verordnung, die dem Bergwerksgebiet den Todesstoß gab: Es durfte fast kein Holz mehr gefällt werden. Die Wälder rundherum waren fast zur gänze abgeholzt, da ein Bergwerk eine Unmenge an Holz braucht. Einmal zur Erzeugung von Holzkohle für die Schmieden und Schmelzöfen, zum Anderen als Stützmaterial für die Stollen.

 

< Die geografische Lage des Bergbaugebietes

Familie Jenner in Klausen >